40 Jahre NWKV - Roland Niewerth

geschrieben von Kei Sallmon am 17.10.2021 in Kategorie News

Interview mit Roland Niewerth, Kendo 7. Dan

das Interview führte Alina Schiller

 

A: Wie kamst Du zum Kendo und wann hast Du angefangen?

R:  Angefangen habe ich 1984, ich gehöre ja nicht zur ersten Generation. Ich war gerade 16 Jahre alt und kam aus meinem historisch-kulturellen Interesse zum Kendo, weniger über die sportliche Schiene. Ich hatte mich mit der Geschichte Japans und den Samurai beschäftigt und stellte dann fest, dass es all die alten Disziplinen wie Lanzenfechten, Bogenschießen und Schwertkampf immer noch gibt. Ich habe dann den Deutschen Judo Bund angeschrieben, in dem Kendo damals organisiert war, und bekam die Adressen aller Vereine in Deutschland. Eine Woche später stand ich im Kölner Verein auf der Matte.

A: Wer war damals Trainer?

R: Das war Alfred Hennemann. Er war damals in der Nationalmannschaft und hat mich sehr gefördert. Später war ich dann auch im Uni-Training, dort leitete Yukio Shimizu das Training.

A: Wie sah die deutsche Kendo-Landschaft damals aus?

R: Als ich 1984 anfing, gab es schon alle größeren Vereine, jede Menge Turniere und Lehrgänge und allgemein eine gute Infrastruktur. In Köln war die Halle voller als heute, der Verein hatte um die 50 Mitglieder. Die höchsten Dan-Träger waren damals Alfred [Hennemann] mit dem 3. und Yukio [Shimizu] mit dem 4. Dan. Viele von damals sind heute noch aktiv: Monika Krämer war sehr früh dabei, in Düsseldorf waren es z.B. Thomas Zander und Herbert Cürvers, die dann sehr bekannt waren. In Wuppertal mit Rolf Thum, Remscheid mit Jochem Nover, Münster mit Norbert Krokowski und Leverkusen gab es auch schon Vereine. Ich habe jetzt aber bestimmt ein paar vergessen (lacht). Der DKenB formte sich dann, als man aus dem Judo Bund herauswollte, ich glaube, das war so um 1990 herum.

A: Gibt es Menschen, die Dein Kendo nachhaltig beeinflusst haben und denen Du danken willst?

R. Im Kendo lernt man ja immer voneinander, egal ob hochrangig graduiert oder Anfänger, das finde ich das Schöne an dieser Disziplin. Aber natürlich fallen mir besondere Menschen ein. Für meine ersten Jahre in Köln waren dies Alfred Hennemann und Yukio Shimizu. Sie sind meine „deutschen“ Kendolehrer. Einmal kam Alfred von einer Europameisterschaft zurück, bei der das deutsche Team im Finale gegen Frankreich gewonnen hatte. Dann saß er da mit seiner Medaille und wir haben gefeiert. Ich glaube, dass Alfred mich auch in die Wettkampfschiene bugsiert hat. Auch meinem langjährigen Teamkapitän Ralph Lehmann habe ich viel zu verdanken.

Dann meine beiden japanischen Lehrer Shiiya-Sensei und Sakai-Sensei, beides Polizei-Kendo Lehrer, die in Deutschland Bundestrainer waren. Ich bin den beiden in Deutschland hinterher gereist, um von ihnen zu lernen. Beide luden mich dann auch nach Japan zum Training ein.

A: Wie alt warst Du damals, von welchem Jahr sprechen wir?

R: Als ich Shiiya Sensei 1988 in Japan besuchte, war ich 20 Jahre alt. Er trainierte die Bereitschaftspolizei, das sind die Jungen, Starken, Gnadenlosen. Es gab zwei Trainingsgruppen, die jeweils zwei Trainingseinheiten pro Tag hatten und ein gemeinsames Asageiko [Morgentraining]. Da ich anders als die Polizisten nicht arbeiten musste, sagte mir Shiiya-Sensei, ich solle bei allen Einheiten mit trainieren, und somit hatte ich fünf Trainings pro Tag. Das war toll, aber ich hatte mir irgendwann so die Füße aufgerissen, dass ich einen Sonntagnachmittag einen Durchhänger hatte. Shiiya-Sensei bemerkte das und als ich ihm meine Füße zeigte – man konnte bei den einzelnen Rissen bis auf den Knochen kucken – hat er mir ganz fürsorglich jeden einzelnen Zeh mit Salbe behandelt und verbunden, so dass der Schmerz gelindert wurde und ich weiter machen konnte. Diese Fürsorglichkeit ist mir im Gedächtnis geblieben. Dass jemand der schindet, auch verarzten kann, das war mir neu (lacht). Seitdem haben wir Kontakt. Für mich ist er mein Japan-Vater, seine Frau ist meine Japan-Mutter, so schreiben wir uns immer in den Briefen und mittlerweile in den Emails.

Zwei Jahre später war Sakai-Sensei Bundestrainer. Er war, wie gesagt, ebenfalls Polizist und bei der Wasserpolizei, mit denen ich dann auch in Japan trainierte, nachdem er mich eingeladen hatte, dazu später. Sein Stil hatte mir sehr gefallen, und er brachte mir viele verschiedene Katas bei.

Diese Lehrer haben mein Kendo bis heute geprägt.

A: Sprichst Du eigentlich Japanisch?

R: Ich radebreche (lacht). Ich kann mich höflich vorstellen und nach der Uhrzeit fragen, meistens geht es ja um die Höflichkeit. Aber ich habe nie die Sprache studiert, der Zeitaufwand fürs Kendo war einfach zu hoch.

A: Allein durch das Kendo bekommt man meiner Meinung nach aber auch schon einen Einblick in die japanische Kultur, und etwas Japanisch lernt man auch.

R: Ich würde sogar noch weitergehen. Es gibt ja viele Japan-Begeisterte, die gerne das Land bereisen, Tusche-Zeichnungen lieben oder Mangas lesen. Aber DIE Eintrittskarte in die japanische Gesellschaft ist Kendo. Denn wenn man das ernsthaft macht, dann öffnen sich einem alle Türen.

A: Wie ist deine Erfahrung: Wird man als nicht-japanischer Kendoka ebenso ernst genommen wie ein japanischer? Kann man als Deutscher oder als Nicht-Japaner Kendo jemals so verstehen, wie es ein Japaner tut?

R: Man sollte, glaube ich, als Europäer nicht versuchen, Japaner zu werden. Auch nicht im Kendo. Aber dass Japaner gutes Kendo, auch wenn es von anderen Nationen kommt, anerkennen - von gewissen faschistisch geprägten Kreisen einmal abgesehen - daran gibt es keinen Zweifel. Sonst würden sie auch nicht jedes Jahr einen Bundestrainer schicken. Aber was bedeutet eigentlich „gutes“ Kendo? Ich glaube nicht, dass es den Japanern so sehr um Leistung geht, sondern mehr darum, ob jemand mit dem rechten Herzen dabei ist, ob sich jemand anstrengt, Kendo zu lernen. Ob er dabei Erfolg hat, ist eine ganz andere Sache. Diese Herzensbereitschaft, alles zu dulden und alles zu lernen, das wird anerkannt, und nicht, ob man damit Europameister wird.

A: An welchen Moment oder welches Treffen in Deiner Kendo-Karriere erinnerst Du Dich noch ganz genau, weil es besonders beeindruckend war und/oder Dir eine große Entwicklung gebracht hat?

R: Ich habe da gleich mehrere Momente. Auf den Wettkampf bezogen war das die Europameisterschaft in Lourdes 1998. Das war mein erstes Mal als Taissho [letzte Position im Teamkampf] und wir kamen ins Finale gegen Frankreich. Alle deustschen Kämpfer vor mir verloren 0:2. Ich habe mir dann gesagt: „Du kannst jetzt nur noch diesen Friedhof hinter Dir rächen, das ist der einzige Grund, warum Du jetzt da bist“. Und dann habe ich 2:0 gewonnen. Lourdes ist ja auch ein Ort, wo Wunder geschehen (lacht). Das hat nichts am Ergebnis geändert, aber solange der Taissho nicht geschlagen ist, ist das Team nicht geschlagen. Das war ein prägender Moment, wo ich mich bewähren musste und auch wollte.

A: Da hat sicher auch die Moral des Teams gehoben.

R: Ja. Das ging auch nur aus dem Team heraus. Wäre ich dem französischen Capitaine im Einzel begegnet, hätte ich bestimmt verloren.

Eine weitere beeindruckende Begebenheit war mit Sakai Sensei in Japan, als ich seiner Einladung gefolgt war, um mit ihm bei der Wasserpolizei zu trainieren. Das waren alles junge Polizisten, 1. und 2. Dan, ein 5. Dan war dabei. Ich wollte drei Monate bleiben, und der Plan war, dass wir auch in den Keishi-chō Budokan gehen, also die Hölle von der Polizei. Das Schöne an der Hölle war, dass wir immer mit einem Polizeibötchen quer über den Hafen rüber fuhren. Das war viel schneller als mit der S-Bahn einmal um den Tokioter Hafen herum. Anfang der 90er war dies das beste Dojo in Japan. Mein Lehrer Sakai, 7. Dan Kyoshi, saß dort auf der Schülerseite, da wusste man direkt Bescheid, wie die Hausnummern verteilt sind. Zu dieser Zeit war Wettkampfvorbereitung und es gab dementsprechend viel Shiai-Training. Es kamen ständig Busse mit Polizisten aus anderen Präfekturen für die Gast-Shiai, und einmal kam sogar die kōgū keisatsu, die kaiserliche Garde, mit einem 10-Mann-Team vorbei. Die kōgū keisatsu machte ein begnadetes Kendo. Die traten dann gegen ein 10er-Team aus der Polizei-Hölle an. Da ich nicht mitmachen durfte, konnte ich mir alle Kämpfe angucken. Die kaiserliche Garde verlor 0:20 gegen diese in Stahl geschmiedeten Keishi-chō-Bullen. Und da dachte ich: „Wahnsinn. Obwohl die so ein klasse Kendo machen, haben die keine Chance gegen die Monster von der Keishi-chō!“ Und mit Monster meine ich diese tagein, tagaus wie im Mittelalter hart trainierenden Leute. Das war ein Fanal für mich, so etwas habe ich seitdem auch nie wieder gesehen.

A: Kannst Du festmachen, woran es lag, dass die kōgū keisatsu so haushoch verloren haben?

R: Ja, du kannst das gleiche Niveau haben im Kendo, aber im Shiai zu gewinnen, das ist noch einmal eine besondere Expertise. Sun Tsu sagt: „Die Alten nannten nicht die Krieger stark, die ihre Kämpfe gewannen, sondern die, die ihre Kämpfe mit Leichtigkeit gewannen!“ Als Historiker vergleiche ich das gerne mit Phänomenen aus der Geschichte: man weiß, dass 5% der Jagdflieger im Ersten Weltkrieg für 95% der Abschüsse verantwortlich sind. Bei Fliegern redet man von „Assen“. Wenn du nun auf so ein Ass auf der Kampffläche triffst, dann machst Du keine Schnitte. Das war sehr beeindruckend.

Eine dritte sehr beeindruckende Geschichte ereignete sich bei einem DKenB Jubiläum – ich weiß nicht mehr ob es das 20- oder 25jährige war – in Lindow mit dem ehemaligen Bundestrainer Hirano Sensei, den ich noch als 18-Jähriger Kendoka erlebt hatte. Herr Hirano ist nach seinem Polizeidienst an die Yagyū-Schule gegangen. Die Yagyū-Schule ist einer der ganz alten Schwertkampf-Schulen, die überlebt haben. Wir Kendoka machten gerade in einer der separaten Hallen unser Training, als Hirano Sensei mit seinem Schwert hereinkam und sich mit den Seitei-Iai [10 Grundformen] für seine Vorführung warm machte. Mein Kumpel René [Führen] und ich machten weiter unsere Kirikaeshi-Übungen, und im Augenwinkel sah man Hirano Sensei die Luft zerteilen. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich bemerkte, dass irgendwas nicht stimmte. Hirano Sensei machte seine Seitei-Iai wunderbar glatt und flüssig, seine Klinge pfiff durch die Luft – aber es war alles auf links, obwohl er Rechtshänder ist! Das heißt, das Schwert steckte an der rechten Seite, er hatte die rechte Hand unten am Griff, und machte trotzdem alles genau so glatt wie sonst, und zwar so perfekt, dass uns zunächst gar nicht auffiel, dass es spiegelverkehrt war! Das machte der nur zum Aufwärmen.

Eine sehr schöne Geschichte ist das Wiedersehen zwischen meinem Lehrer Sakai Sensei und mir. Wir hatten uns circa 10 Jahre nicht gesehen, als er mit einer Absolvententruppe der Musashi-Universität nach Deutschland und auch nach Köln kam. Im Training kam Sakai Sensei dann auf mich zu, drückte mir ein Bokuto in die Hand und sagte „Wir führen jetzt die Polizei-Kata vor.“ Wer etwas von Kata versteht, der weiß, dass man mit seinem Partner ein eingespieltes Team sein muss, wie beim Tanzen. Wenn man sich also 10 Jahre nicht gesehen hat, könnte das eventuell problematisch werden. Wir stellten uns auf, machten die Kata, und es war, als wäre es gestern das letzte Mal gewesen. Auch die japanischen Gäste lobten uns, und ich dachte nur, wie man bei uns sagt, „Alte Liebe rostet nicht“.

A: Gab es Punkte in deinem Kendo-Leben, an denen Du an Dir gezweifelt hast oder bspw. durch eine schwerwiegendere Verletzung pausieren musstest, und wie hast Du Dich wieder aufgerappelt?

R: Zunächst einmal: Krisen im Sinne von: man will nicht mehr, man kann nicht mehr, man tritt auf der Stelle, man verliert immer, man fällt durch die Prüfung – diese Art Krisen gehören beim Kendo dazu. Und wer nicht mal 10 Jahre auf der Stelle getreten hat, der weiß nicht was Kendo ist. Das Zweifeln an sich selbst – „Wieso können die anderen das, aber ich nicht?“ - das kennt jeder. Den bitteren Trunk der Niederlage zu schmecken, das kennt auch jeder.

Was mein Kendo geprägt hat waren definitiv auch meine Verletzungen. Ich bin vier Mal wegen Kendo operiert worden.

A: Was hast Du denn gemacht um Himmels Willen?

R: Ich habe, wie eben erzählt, den Lehrern nachgeeifert und mich allem ausgesetzt, was kam. Ein Großteil der Verletzungen entfallen auf das Knie, das hatte ich mir mal beim Wettkampf verletzt. Damals wusste ich es gar nicht genau. Heute weiß ich, es war eine Kreuzbandruptur. Ich war damals aber Soldat, und als Soldat darf man nur die militärische, ärztliche Versorgung wahrnehmen, die zu dieser Zeit schlecht war. So wurde meine Verletzung nicht richtig behandelt und ich habe sie über Jahre verschleppt. Das war bereits 1989, so dass ich von den 15 Jahren in der Nationalmannschaft 14 Jahre ohne Kreuzbänder abgeleistet habe. Das Kreuzband hält das Gelenk zusammen, und ohne Kreuzband passiert es also dauernd, dass das Gelenk bei Belastung ausbricht. Jedes Mal ein neues Trauma, wieder ein dickes Knie, wieder Schmerzen, wieder aussetzen, ein ständiges Damokles-Schwert über meinem Kopf in jeder Saison, ob das Knie wohl hält. Ich habe deswegen als Fahrrad-Kurier angefangen, um meine Beinmuskulatur zu stärken. Auch während meines 3-monatigen Japan-Aufenthaltes wurde ich wieder am Knie verletzt, weil mir ein 8. Dan einen unerlaubten Bodycheck mitgab, da musste ich leider früher nach Hause fahren. Als ich 2014 den 7. Dan bestanden habe, war genau dieser Lehrer, an dem ich zerschellt bin, Hauptprüfer, da schloss sich für mich ein Kreis.

Und noch eine schlimme Sache: Es stand die Europameisterschaft in Basel an, ich sollte Taissho sein. Das war Ende der 90iger. Letztes Training mit dem Bundestrainer: Ich hau ihm das Shinai aus der Hand und schlage Men, daraufhin macht er einen Polizeigriff-Feger mit mir, ich liege auf dem Rücken, Bein gebrochen. Ich war dann als Zuschauer auf Krücken bei der EM dabei, während mein Team unterging. Das dumme bei dieser Geschichte war einerseits, dass ich mir durch meinen Job als Fahrradkurier eine Wohnung in Köln hatte leisten können, lädiert wie ich war aber nun vorerst kein Geld mehr verdienen konnte. Nebenbei bemerkt war die Wohnung übrigens im 4. Stock und es gab keinen Aufzug (lacht). Noch schlimmer war aber, dass ich mich kurz zuvor bei der Polizei beworben hatte. Und jetzt hatte ich das Wadenbein gebrochen und eine 14cm lange Eisenplatte mit neun Schrauben im Fuß. Ich konnte diesen Test zwei Mal verschieben, ein drittes Mal ging nicht. Ich habe dann in Köln eine Reha mit Aufbautraining gemacht und bin eine Woche vor dem Test auf dem Unisportplatz die 2000m gelaufen, das war hart.

Der Schluss zu dieser Geschichte ist: die Verletzung und die Operation waren im Frühling, der Polizeitest im Sommer, und im Herbst bin ich dann Deutscher Einzelmeister geworden, samt dieser Platte im Bein, weil ich so die Faxen dicke hatte. Das war ein heftiges Jahr für mich.

Deine Frage war, wie ich da wieder rausgekommen bin und was mir geholfen hat. Bestimmt eine natürliche Sturheit, dann meine historisch geprägte Auffassung von Kendo, dass Verletzungen dazu gehören. Das war für mich klar. In anderen Sportarten ist so eine Verletzung vielfach das Aus.

A: Was möchtest Du jungen Kendoka mit auf den Weg geben?

R: Die Zukunft von unserem Kendo hängt vom Nachwuchs ab. Von meinem Blickwinkel als Lehrer und mit meiner Kendo-Erfahrung möchte ich den jungen Leuten folgendes mit auf den Weg geben:

1. Betätigt euch nicht nur sportlich mit dem Kendo, sondern auch historisch und ethisch. Kendo hat einen Background. Wer Kendo macht, muss die 7 Tugenden kennen, die zeigen, worum es eigentlich geht, und worauf nach japanischem Verständnis Kendo beruht:

- Gi (義): Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit
- Yu (勇): Mut
- Jin (仁): Güte und Wohlwollen gegenüber allen Menschen
- Rei (礼): Höflichkeit
- Makoto (誠) oder Shin (真): Wahrheit oder Wahrhaftigkeit
- Meiyo (名誉): Ehre
- Chūgi (忠義): Treue oder auch Chū (忠): Pflichtbewusstsein oder Loyalität

Die sieben Falten des Hakama erinnern an die sieben Tugenden.

2. Kendo ist eine der wenigen Disziplinen, die man auch im hohen Alter machen kann. Das ist absolut faszinierend. Ich wünschte mir, dass die jungen Leute sich klar machen, dass jetzt das Fundament gelegt wird für ein Kendo im Alter. Schule, Studium, Beruf, Familie sind wichtig, man muss aber jetzt jede Gelegenheit nutzen. Denn wer hier nachlässig ist, der wird im fortgeschrittenen Alter die Freude an Kendo verlieren, weil das Fundament nicht da ist. Überlege immer, wie dein Kendo in 10 Jahren aussehen soll.

3. Kendo-Training sollte man nicht nur als Training begreifen wie in anderen Sportarten, sondern als Dienst an sich selbst. Der Unterschied ist: Wenn ein Training ausfällt, weil man zu einer Party geladen ist, der Bruder heiratet oder die Freundin Geburtstag hat, das ist nicht weiter schlimm. Aber seinen Dienstpflichten nicht nachzukommen, das ist unentschuldbar. Der Begriff Training passt nicht ganz für das, was wir eigentlich dadurch erreichen möchten.

4. Jungen Menschen, die ehrgeizig sind, die im Wettkampf erfolgreich sind, möchte ich raten, sich ein tertium comparationis zu suchen. Damit meine ich, noch etwas Anderes zur eigenen Ausbildung heranzuziehen. Es gibt das Kendo und es gibt das Ego, die miteinander agieren. Daran kann ich mich weiterbilden, messen und austesten, aber ein Drittes als Vergleich zu den beiden anderen, das wäre nicht schlecht. Das kann alles sein. Irgendetwas, was sonst keiner macht. Von Miyamoto Musashi, dem allseits bewunderten Schlagetot, sind leichte und geradezu zarte Tuschezeichnungen überliefert.  Wer aus einem Granitblock eine Statue schnitzt, der schafft etwas unter unglaublichen Mühen, Anstrengungen und Zweifeln, was ihn stärker werden lässt. Das meine ich mit einem „tertium comparationis“. Aber was dieses Dritte ist, das muss jeder selbst herausfinden. Bei mir war es der Jakobsweg.

5. Der letzte Punkt ist meiner Meinung nach der wichtigste für die jungen Leute: Geht und findet durch Kendo Freunde fürs Leben!

zuletzt aktualisiert: 17.10.2021 » zurück zu Aktuelles